Studio Visits # 1: Nobrow, London

Von Gast 30. November 2009 Kommentare 4

Die Illustratoren Katia Fouquet und Jakob Hinrichs veröffentlichen ab sofort auf Freistil-online eine neue Serie von Artikeln, die sie »Studio Visits« nennen. Hier berichten sie von ihren Ausflügen in die Welt und den Besuchen bei Zeichnern, Verlagen und Zeitschriften.

Vor wenigen Tagen waren sie in England unterwegs. Dort haben sie einen Blick in das Studio des »Peepshow Collectives« geworfen und die Macher des fantastischen »Le Gun« Magazins getroffen. Sie nutzten die Möglichkeit, ein Interview mit dem englischen Illustrator Phil Wrigglesworth zu führen. Doch zuerst berichten sie von ihrem Besuch bei den Nobrow-Machern in London.

Von Katia Fouquet & Jakob Hinrichs

Nobrow nennt sich ein neues Magazin aus London, das von Alex Spiro und Sam Arthur herausgegeben wird. Wir haben sie auf der Illustrative 2009 kennengelernt, auf der sie ihre schönen Magazine vorgestellt haben. Selten sieht man ein Magazin, das so liebevoll im Detail und so präzise in der technischen Umsetzung produziert ist. Nobrow existiert seit einem knappen Jahr und soeben ist das zweite Magazin erschienen. Die erste Nummer ist zweifarbig im Offset gedruckt mit Arbeiten von Paul Blow, Stuart Kolakovic, Nick White, Jens Harder und vielen anderen. Mit einen Cover von Blex Bolex und mit Illustrationen u.a. von Henning Wagenbreth, Pietari Posti und Ben Newman ist die zweite Ausgabe mindestens genauso spektakulär wie sein Vorgänger. In Deutschland findet man die Hefte von Nobrow unter anderem bei Neurotitan in Berlin. Ansonsten zu bestellen auf ihrer Internetseite, auf der es auch tolle Siebdruckeditionen gibt.

Wir haben uns die Launch-Party der Nummer 2 zum Anlass genommen, eine Reise nach London zu unternehmen und die beiden in ihrem Studio in East London zu besuchen. Es besteht aus zwei Etagen, im Untergeschoss befindet sich die Siebdruckwerkstatt, in der sie die »Nobrow Small Press« Editionen herstellen, eine Reihe von handgedruckten Siebdruckheften in Kleinstauflage. Im Obergeschoss befindet sich das Studio, in dem es viel zu entdecken gibt.

J&K: Was ist Nobrow? Könnt ihr uns Nobrow in einigen Worten vorstellen?

Sam: Die Aktivitäten von Nobrow unterteilen sich in zwei Bereiche. Einmal geben wir das Nobrow Magazin heraus. Es erscheint 2 mal im Jahr mit einem neuen Thema. Das aktuelle Heft hat das Thema »The Jungle«, das erste »Gods & Monsters«. Dafür fragen wir Illustratoren und Künstler aus der ganzen Welt an, eine Seite zu gestalten. Die Illustratoren sind frei in ihren Arbeiten, die einzigen Vorgaben sind das Thema und die Farben. Das Magazin wird in einer limitierten Auflage von 3000 Exemplaren im Offset gedruckt.

Neben dem Magazin gibt es die »Nobrow Small Press« -Reihe , die wir selbst in unserem Siebdruckstudio drucken. Diese Hefte erscheinen in Kleinstauflagen, je nach Projekt zwischen 50 und 100 Exemplaren, und sind jeweils von einem Illustrator gestaltet. Sie sind uns sehr wichtig, da es in Großbritannien kaum Leute gibt, die Siebdruckhefte herausgeben, anders als in Deutschland z. B. Bongout oder in Frankreich Le Dernier Cri.

J&K: Ihr seid beide selbst Illustratoren und habt lange in der Industrie gearbeitet. Wie kamt Ihr dazu, Nobrow auf die Beine zu stellen?

Alex: Ich habe lange für Sam gearbeitet, der Animationsfilme gemacht hat. Wir beide kommen eher von der Animation. Was uns verbindet, ist der Prozess des Bildermachens und die Liebe zum Zeichnen. Wir wollten unsere Energie in ein Projekt stecken, das unsere Leidenschaft zur Illustration in einem Produkt zusammenbringt, ohne sich Vorgaben von Außen unterwerfen zu müssen.

J&K: Wir denken, um so eine Idee umzusetzen, braucht man einen langen Atem. Was hat euch dazu getrieben, eure Jobs aufzugeben und Nobrow zu gründen?

Sam: Wir haben wohl beide ein verrücktes Gen (lacht). Nicht dass wir uns in ein verrücktes oder blödsinniges Unterfangen gestürzt haben, aber es braucht schon Mut und Überzeugung so ein Projekt als Vollzeitjob anzugehen. Nobrow ist kein Hobby von uns, das wir nebenbei am Wochenende machen könnten. Es hat fast zwei Jahre an Überlegung und Vorbereitung gebraucht, bis wir die Idee klar hatten und dann nochmal ein Jahr, bis zum ersten Magazin.

Manche Leute sagen, dass es ein großer Sprung wäre, aber nach einer Ausbildung an der Kunsthochschule und einer Kindheit, die man größtenteils zeichnend verbracht hat, fühlt es sich nach einem ganz natürlichen Schritt an. Mit Nobrow machen wir etwas, das uns aus der Seele spricht.

J&K: Die Nobrow-Hefte fallen durch das schöne Papier und den guten Druck auf. Man merkt, dass euch neben der Illustration auch die Produktion sehr wichtig ist.

Alex: Unsere Motivation war es etwas Erlebbares und Haptisches zu produzieren, das uns weg vom Computer zu etwas Hand gemachten führt. Mit dem Internet gibt es so viele Wege Informationen auszutauschen und verfügbar zu machen. Ein schlecht produziertes Buch hat meiner Meinung nach kein wirklichen Grund mehr, gedruckt zu werden, da ich mir die Inhalte dann besser gleich auf dem Bildschirm angucken kann. Wir wollen ein Objekt produzieren, das sich gut anfühlt, gut riecht und natürlich schön aussieht. Ein Buch, das man sammeln möchte.

J&K: Man spürt auf jeden Fall ein starkes Konzept in der Themen- und Farbwahl. Wie arbeiten die Illustratoren mit Euren Vorgaben?

Alex: Der formale Rahmen, sprich Format, Farben und Thema liegt nicht jedem Illustrator gleich gut. Viele sind es zum Beispiel nicht gewohnt, zweifarbig oder in Farbseparation zu arbeiten. Wir versuchen schon bei jedem Heft Illustratoren zu finden, die mit den spezifischen Bedingungen klarkommen. Dadurch, dass alle Illustratoren mit den gleichen Bedingungen an das Thema herangehen, ist es besonders spannend zu sehen, wie jeder einzelne damit umgeht.

Das erste Heft wirkt durch seine Zweifarbigkeit sehr grafisch, im aktuellen Magazin sind hingegen malerische Arbeiten möglich gewesen, da wir es in vier Farben gedruckt haben. Form und Konzept gehen dabei Hand in Hand.

J&K: Während im Magazin Arbeiten vieler Illustratoren gezeigt werden, sind die Small Press Books immer nur von einem Illustrator gezeichnet. Wie arbeitet ihr bei diesen Heften mit den Illustratoren zusammen?

Sam: Normalerweise kommen die Illustratoren nicht mit fertigen Projekten zu uns, da die Vorgaben bei den Heften sehr speziell sind. Meistens haben sie eine Idee oder eine noch nicht ganz ausgearbeitete Serie von Zeichnungen, aus denen wir dann ein Heftkonzept entwickeln.

J&K: Nehmt ihr Einfluß auf den Inhalt, seht ihr euch dabei als Art Direktoren?

Sam: Ja, die meisten Illustratoren brauchen das auch (lacht)! Im Ernst, wir nehmen schon Einfluss, in dem wir gewisse Änderungen vorschlagen, aber generell geben wir den Künstlern schon größtmögliche Freiheit, auch weil es sich hierbei um Projekte handelt, die sie in ihrer Freizeit machen. Wir geben so ungefähr zwischen 10 und 12 Heften im Jahr heraus. Das hängt aber eher daran, wie viele wir zeitlich bewältigen können als das es uns an Projekten mangelt. Zur Zeit haben noch eine ganze Reihe von Heften in Planung.

www.nobrow.net

NOBROW-Interview

Gratulation! Mit NOBROW habt Ihr wirklich ein Top (2Mann-) Unternehmen vorgestellt und in dem Interview viel über Qualitätsbewußtsein und Engagement vermittelt. Das Programm ist wirklich toll.

nobrow und studio visits

prima idee.
immer toll,wennmansieht was die anderen machen....
freu´mich schon auf den naechsten studio-visits-artikel!

studio visits

super idee!
freu´mich schon auf die naechsten blicke in diekollegen ateliers!

entdeckt

hi!
ich habe eben diese rubrik entdeckt - irre gut!
hier werde ich mich künftig öfters herumtummeln.

freu mich auf eure nächsten berichte.

grüsse patrick