Studio Visit # 2: Le Gun, London

Von Gast 11. Februar 2010 Kommentare 3

Le Gun nennt sich das Zeichnerkollektiv und das von Ihnen herausgegebene großformatige Magazin. Katia Fouquet und Jakob Hinrichs haben Le Gun besucht und berichten hier über Chaos, Kunst und Heidelberger Druckmaschinen.

Gegründet wurde Le Gun 2004 in London von Mathew Appleton, Chris Bianchi, Bill Bragg, Neal Fox, Robert Green und Alex Wright, die zusammen am Royal College of Art studiert haben. Mittlerweile sind auch die Deutsche Steph von Reiswitz und die Schwedin Emma Rendel fester Bestandteil des Kollektivs.

In der Londoner Zeichnerszene sind die Macher von Le Gun allen ein Begriff, neben dem Magazin treten sie immer wieder mit Ausstellungen, Performances und eigenwilligen Aktionen in die Öffentlichkeit. Ende letzten Jahres besuchten wir Le Gun in ihrem Londoner Studio und haben uns dort mit Bill Bragg, Chris Bianchi und Steph von Reiswitz getroffen.

Das Studio liegt im Stadtteil Hackney direkt an der Bahntrasse auf einem alten Industriegelände. Hackney ist ein klassisches Arbeiter- und Immigrantenviertel im Osten Londons, das in den letzten Jahren wegen seiner noch erschwinglichen Mieten für Künstler attraktiv war und sich jetzt zunehmend zu einem trendigen Ausgehviertel wandelt. Im Gegensatz zur Umgebung, die durch ihren heruntergekommenen Industriecharme besticht, umgibt das Studiogelände ein dicker, alarmgesicherter Zaun, der nur die Mieter mittels Code einlässt.

Im Innern des Studios herrscht ein liebenswürdiges Chaos. In dem recht großen Raum stehen dicht an dicht Schreibtische. Man merkt, dass ein kostbares Londoner Studio bewusst ausgenutzt werden muß. Der Raum ist von der Leidenschaft zur Zeichnung und einem charmanten Do-it-yourself-Spirit geprägt.

Bill Bragg führt uns in den Nebenraum, in dem sie sich eine Druckwerkstatt eingerichtet haben. Auf einer alten Heidelberg Druckpresse setzen die Le Guns alle Schrifttafeln des Magazins; aber auch Plakate, kleine Hefte und Flyer drucken und produzieren sie selbst in dieser Werkstatt. Bill erklärt, dass sie dadurch recht unabhängig, spontan und kostengünstig Projekte umsetzen können, die ihnen wichtig sind.

Das großformatige Magazin, das Le Gun selbst als »narrative art annual« bezeichnet,
zeigt in jeder Ausgabe Arbeiten von Künstlern, Illustratoren, Autoren und Poeten.

Es beeindruckt durch eine fantastische Zusammenstellung wirklich gekonnter Zeichnungen und Texte und ist auch formal anspruchsvoll produziert. Jenseits vom Mainstream führt das Magazin eine spannende Auseinandersetzung provokativer und intelligenter Kunst. Schwerpunkte im Heft bilden experimentelle Formen des Comics und der visuellen Narration.

Das Heft erscheint alle zwei Jahre und wird weltweit vertrieben. In Deutschland findet man es in ausgewählten Bahnhofsbuchhandlungen, in Berlin ist es z.B. auch im Neurotitan zu erstehen. Ihr könnt es aber auch direkt auf der Homepage von Le Gun bestellen.

Die neueste Ausgabe erscheint vorraussichtlich im Laufe des Jahres. Also Augen aufhalten und kaufen! Außerdem ist Le Gun immer auch an neuen ZeichnerInnen interessiert. Bewerbungen können an folgende Emailadresse gesendet werden; ammunition@legun.co.uk

www.legun.co.uk

Oh ja!

Da wäre ich gerne dabei gewesen!

na und ich erst!

na und ich erst!

Le Gun präsentieren THE UNKNOWN ROOM in Berlin

Le Gun haben demnächst eine Ausstellung in Berlin:

THE UNKNOWN ROOM, vom 29.04. - 28.05.2011 in der Bourouina Gallery. Worth seeing! www.bourouina.com