»Mardi grass« Der fette Dienstag

Von Raban Ruddigkeit 22. März 2011 Kommentare 0

Emilia Forstreuter hat als Gewinnerin des Southern-Comfort-Illustrationswettbewerbs das Glück gehabt, nach New Orleans zu reisen. Dort kehrt nach der Katastrophe langsam die Normalität zurück. Aber auch der Wahnsinn in Form des »Mard Grass Festivals«. Für Freistil-online hat Emilia ihr Eindrücke notiert;

»Beads, Beads, Beads ... tönt es von allen Seiten. Menschentrauben tummeln sich
auf den Straßen, Arme strecken sich in die Lüfte, von den gußeisernen Balkonen
werden bunte Perlenketten zu den Auserwählten in der Masse geworfen.

Wir befinden uns im French Quarter in New Orleans. Es ist Mardi Gras. Ein fröhliches
Treiben mit viel Kommunikation zwischen Fremden, verschiedensten Flüssigkeiten
und sehr viel buntem Plastik. Frauen wie Männer, alle tragen sie – die bunten Perlenketten.

Zwischendurch wird Platz gemacht für einen Karnevalsumzug, der sich durch die Straße
quetscht. Von Korkmännern, Weintraubenfrauen, farbenfrohen Königinnenwesen bis hin
zur Schweinegrippe auf zwei Beinen – der Kreativität bei den Kostümen sind keine
Grenzen gesetzt.

Ein paar Straßen weiter, in einem schummrigen Hinterzimmer von Antoines Restaurant –
einem 170 Jahre alten Familienbetrieb – bekomme ich eine Idee davon, was Mardi Gras
auch ist oder zumindest einmal war. Von der Decke hängt ein prunkvoller Kronleuchter,
von den grüngoldenen Wänden blicken uns altehrwürdige Männer durch Goldrahmen an.
Dies ist der Speisesaal eines traditionellen Elitemännerclubs, wie uns ein Einheimischer aufklärt.

Er erzählt von den ursprünglichen Mardi Gras Paraden, die von Clubs wie diesem organisiert werden. Jeder Club hat seine eigene Parade. Die Gestaltung und Planung von Kostümen und Festwagen sei eine Beschäftigung, die sich über das gesamte Jahr hinzieht. Literatur und Mythologie dienen als Inspiration für die Themen der Paraden.

Neben den öffentlichen Umzügen veranstalten die Vereine private Mardi Gras Bälle, geschlossene Veranstaltungen bei denen die Männer die Damen nur maskiert inkognito zum Tanz auffordern dürfen.

In einer Vitrine entdecke ich – neben Medaillen und Diamantenschmuck – die so detailreich, liebevoll illustrierten Ball-Einladungskarten aus dem goldenen Zeitalter des Mardi Gras (1870-1930). Plötzlich bekomme ich das Gefühl, dass es bei Karneval vielleicht doch noch um etwas anderes geht, als ich bisher annahm.

Mit einem Hauch von Mystik im Bauch gehts wieder raus ans Tageslicht.«

Emilia Forstreuter

Die hier abgebildeten Einladungskarten und Kostümdesignentwürfe stammen aus Postkarten-Büchern mit dem Namen MARDI GRAS TREASURES. Zusammengetragen wurden die Entwürfe von Henri Schindler, Historiker aus New Orleans und selbst Designer vieler Mardi Gras Paraden und Bälle.