Literatur und Illustration – Das Verlagshaus J. Frank Berlin

Das Verlagshaus J. Frank Berlin ist der Spezialist für neue Literatur und Illustration unter den Independent-Verlagen, die in den letzten Jahren gegründet wurden. Felix Scheinberger hat die Macher getroffen und nach ihren Zielen befragt.

Der Verlag setzt in seinem Programm und seinen vielen Aktivitäten auf den Austausch zwischen den Künsten – ob beim Festival Zeitkunst, einem Festival für Kammermusik und Gegenwartsliteratur, oder beim internationalen Austausch der Künste »Alltag«, bei dem Autoren und Illustratoren aus unterschiedlichen Ländern und Kulturen miteinander arbeiten. Mit »Belletristik« geben sie das führende Magazin für Literatur und Illustration heraus, auch ihre Buch Edition »Bibliothek Belletristik« legt einen Schwerpunkt auf diese Verbindung. In diesem Jahr feiert das Verlagshaus nun sein 5-jähriges Bestehen. Felix Scheinberger hat die Gelegenheit genutzt, um mit den Herausgebern Johannes CS Frank, Dominik Ziller und Andrea Schmidt über die Rolle von Illustration in ihrem Verlag zu sprechen.

Freistil: Warum habt ihr als belletristischer Verlag einen solchen Fokus auf Illustration?

Als der Verlag gegründet wurde und wir die erste Ausgabe der Belletristik vorbereitet haben, hat sich das so sehr schnell entwickelt. Es hat letztlich viel mit der Zusammensetzung des Teams zu tun: Johannes ist für das Wort zuständig, Dominik für das Bild, und Andrea, die im zweiten Jahr des Verlags dazu kam, für die Typografie. Durch die Zusammenarbeit kam der Fokus zustande, er hat aber auch einem Wunsch entsprochen, den wir alle haben: Die Künste miteinander zu verbinden. Und Illustration ist für gedruckte Produkte für uns von Anfang an die interessanteste Kunst gewesen, die wir in einen Dialog mit neuer Literatur setzen konnten. Illustration hat durch seine erkennbare Individualität eine Qualität, die weit über den Bereich der Gestaltung hinaus wirkt und für uns ansprechender ist als die Fotografie beispielsweise. Illustration ist gleichzeitig für unsere Vorstellung von hochwertigen Büchern zentral: Alle Bücher sind bei uns illustriert, Hardcover, arbeiten mit ausgewählten Materialien und einer auf den individuellen Text abgestimmt. Unsere Leidenschaft für Bücher, für hervorragende Texte und Illustrationen, sollte sich in unseren Produkten widerspiegeln.

Wie gestaltet ihr die Zusammenarbeit mit Illustratoren?

Sehr unterschiedlich. Zunächst muss man unterscheiden, ob wir Illustrationen für die Belletristik, für ein Buch aus der Bibliothek Belletristik oder für einen Sonderdruck in der Edition Panopticon Belletristik suchen. Die Belletristik ist ein Medium, das es uns ermöglicht, immer neue Illustratoren und ihre Arbeiten kennenzulernen, das halten wir wie bei den Autoren. Und das heißt natürlich auch, dass unsere Leser immer neue Illustratoren und Autoren kennenlernen können. Dadurch ist die Belletristik immer ein guter Indikator für aktuelle Entwicklungen in der Illustration und der Literatur. Wir suchen dann Illustratoren aus, mit denen wir für Sonderdrucke und besonders für Bücher zusammenarbeiten möchten.

Illustrationen für Bücher und Sonderdrucke entstehen in enger Zusammenarbeit mit uns und den Autoren, das ist ein sehr intensiver Prozess, und um jeden Text individuell nach seinen Stärken zu gestalten, ist eine freie Illustration unerlässlich.

Habt ihr negative Erfahrungen mit Illustration?

So kann man das nicht sagen. Natürlich gibt es Illustrationen, die einem von uns vielleicht nicht gefallen, aber in so einem Fall ist meistens einer von uns von der Illustration wiederum ganz begeistert. Aber wenn man von vornherein sagt, dass man keine Vorgaben macht und dass man einen Dialog auf Augenhöhe möchte, dann kommen Überraschungen immer wieder vor – das ist im Positiven aber viel häufiger. Dass uns allen eine Illustration nicht gefällt, kommt vergleichsweise selten vor. Natürlich auch, weil wir die Auswahl der Illustratoren mit den gleichen qualitativen Ansprüchen durchführen wie bei der Belletristik.

Freistil:. Euer positivstes Erlebnis?

Das ist auch schwer zu sagen. Wir haben jetzt aktuell ein Buch veröffentlicht, »amen, amen« von Lilly Jäckl (Abbildungen), das von Dieter Puntigam illustriert wurde. In „amen, amen“ gehen Wort und Bild eine Beziehung ein, die wir schon als ideal bezeichnen. Dazu haben die beiden Künstler eine Performance entwickelt, die Live-Illustration und Lesung verbindet. In unserer Lesungsreihe »Herzblut« suchen wir immer auch nach neuen Möglichkeiten, Literatur und Illustration miteinander zu verbinden, und dieses Format hat sicherlich ein riesiges Potential.

Das ist ein Beispiel für ein besonders gelungenes Buch, aber auch in anderen Bereichen erleben wir immer wieder Positives, das durch Illustration zustande kommt

Ist Illustration Kunst?

Ohne Zweifel. Die Frage taucht natürlich immer wieder auf, aber wir haben diese Frage nie als eine Begriffen, die sinnvoll ist, weil die Antwort evident ist: Ja.

Es gibt Formen der Illustration, die wir völlig daneben finden, das ist ja klar. Aber das gibt es in der Literatur auch.

Es wird oft auf die Funktionalität von Illustration verwiesen und behauptet, dass diese Funktionalität Kunst ausschließt. Das ist natürlich Unfug. Funktionalität ist ja nur ein Aspekt. Bei einigen Kollegen sehen wir natürlich auch, dass Illustration nur dazu eingesetzt wird, um ein Buch aufzuhübschen. Letztlich wird ein Buch dadurch aber nur entwertet.

Illustration, wie sie bei unseren Publikationen erscheint, beantwortet die Frage, ob Illustration Kunst ist, selbst.

Woran arbeitet ihr im Moment?

Wir sind gerade bei der Jubiläumsausgabe der Belletristik - die Nummer 10, auf die freuen wir uns alle. Dann arbeiten wir natürlich weiter an unserem Programm für die nächsten Jahre. Der Verlag ist in seinen ersten fünf Jahren sehr gewachsen, das spiegelt sich auch im Programm wider. »Alltag« geht wie gesagt mit chinesischen Künstlern weiter, wir arbeiten an einem neuen »Festival Zeitkunst«, es passiert also weiterhin sehr viel Spannendes! Und natürlich arbeiten wir weiter an dem Ziel, Bertelsmann zu übernehmen.

www.belletristik-berlin.de

Illustratorin sucht job

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich bin eine deutsche/persische Illustratorin.
Ich suche Verlage, welche mir die Chance geben meine vielfältigen, künstlerischen Erfahrungen aus beiden Kulturkreisen zu veröffentlichen.

mit freundlichen Grüßen

Elham Howeizi