Interview mit Benjamin Güdel, Schweizer Illustrator

Von Pascal Staub 16. November 2009 Kommentare 1

Er illustriert regelmäßig für Publikationen und Verlage aus der Schweiz und Deutschland. Zur Zeit illustriert er wöchentlich für die Zeitung Der Freitag aus Berlin. Bekannt geworden ist er unter anderem mit seinen starken Bilder für die Carharrt Campaign 2005/2006 und seinem im Gestalten Verlag erschienen Buch »Blood, Sweat & Tears«. Ab 28. November stellt er seine Arbeiten im Bürodiscount in Zürich aus.

Wann hast du angefangen zu illustrieren?

Mit 30, als ich mir selbst zugeben musste, dass ich nicht der tolle Comicerzähler bin. Ich war damals gerade von Berlin nach Zürich umgezogen, und das Leben ist hier einiges teurer. Da ich aber nichts anderes konnte als zeichnen, habe ich 10 Bilder gemalt, sie zu einer »Mappe« zusammengestellt und bin damit hausieren gegangen.

Welches deiner Projekte hat dich wegweisend beeinflusst als junger Illustrator?

Naja, im Kopf jung, vielleicht. Am wichtigsten war schon die Beschäftigung mit den Comics. Dadurch habe ich gelernt, wie und was man alles in einem Bild erzählen muss, damit es interessant ist. Damit eine Illustration nicht zu einer schön gemachten Grafik wird, muss man versuchen etwas in dem Bild zu erzählen, eine Story andenken, die der Betrachter dann weiterspinnen kann.

Was fasziniert dich an deinem Beruf?

Ich darf den ganzen Tag zeichnen was ich will, und zwar selbständig,

Wo liegen deine Stärken?

Beim Bewerbungsgespäch ... ?

Gibt es illustrative Themen die dich Interessieren, an denen du aber immer wieder scheiterst?

Ja: Sexy Girls. Bei mir kommen immer Transen raus. Ich versuch es immer wieder, mit runden Wangen, grossen Augen. Aber irgendwie möchte dann keiner die überm Bett aufhängen.

Hast du dir als junger Illustrator Ziele gesetzt?

Natürlich: die Weltherrschaft soll es mindestens sein.

Fordert dich dein Beruf auch heute noch heraus?

Sicher. ich versuche dauernd mich zu verbessern. Man kann immer noch besser, schneller, lauter, härter werden. Und wenn ich mal versuche mich selbst zu kopieren um Zeit zu sparen, dann wird die Zeichnung meistens schlecht. Wenn ich nicht immer wieder an einem neuen Detail Freude hätte und Interesse etwas anderes auszuprobieren, dann würde die Arbeit wohl sehr schnell langweilig.

Wie siehst du deine persönliche Zukunft als Illustrator?
Un long fleuve tranquille!

Was denkst du über die Zukunft der Illustration im Allgemeinen?

Wir befinden uns in einer zu kleinen Nische, als dass sich groß was ändern würde. Die Goldenen Jahre der Illustration sind schon seit Jahrzehnten vorbei, da ist die Strukturwandlung schon abgeschlossen.

Im Kunstsektor könnten sich vielleicht die Grenzen zur Fine-Art ein wenig aufweichen. So wie in Japan, wo man als ernst zu nehmender Künstler auch angewandt arbeiten darf.

Wer inspiriert dich?

Immer wieder mal neue Leute. Am Anfang war das Jaques de Loustal, ein französischer Comiczeichner. Unterdessen ist mir schon Ferdinand Hodler (ein Schweizer Maler) verleidet. Im Moment habe ich gerade niemanden, den ich gerne in meinem Stil umsetzen würde.

Hast du einen Tipp für junge Illustratoren?

Wenn man reich werden will, sollte man was anderes arbeiten. Es ist schon erstaunlich, dass man mit viel Berufserfahrung nicht entsprechend mehr verdient als wenn man gerade mal anfängt. Aber auch hier gibt es natürlich die andere Seite und die heißt: Wir haben die Zeit, ihr den Wecker. Den Luxus, sich nicht mit den anderen Pendlern frühmorgens in die Reihe zu stellen ist unbezahlbar.

Der Ruf der Wildniss – Benjamin Güdel im Bürodiscount
28.November 2009 – 21. Februar 2010
Vernissage: SA 28 Nov 2009, 19:00-22:00

www.burodiscount.net www.guedel.biz

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Eine alte Frau findet diese höchst spannend