Illustratoren vom Donau-Ufer – Ein Besuch in Budapest

Von Raban Ruddigkeit 25. Februar 2013 Kommentare 0

Kris Krüger von der Illustratorenagentur Egger Grey hat vor einigen Tagen Budapest besucht und eine Menge Illustratoren entdeckt und kennengelernt. Hier sein erster Bericht für Freistil-online. Danke Kris!

»Budapest ist ein attraktives Reiseziel, das sich längs der beiden Ufer der Donau erstreckt. In der historischen Kulisse der ungarischen Hauptstadt, zwischen denkmalgeschützten Fassaden der KundK Monarchie, übrig gebliebenen Sozialbauten des Kalten Krieges und modernen Einkaufzentren der neuen Verbrauchergesellschaft, ist auch eine lebendige Szene von talentierten Illustratoren zuhause. Diese Kreativen sind international gut vernetzt, messen sich stetig mit ihren Kollegen aus aller Welt und arbeiten unermüdlich an Ihrem eigenen Stil.

Am Anfang dieses Jahres hatte ich die Gelegenheit, in Budapest einige Illustratoren zu treffen, um sie persönlich kennenzulernen und mich mit Ihnen über die Vereinbarkeit von Kunst und Kommerz, Karriere und Familie, Spaß und Arbeit, Ruhm, Ehre und Lebensunterhalt auszutauschen.

Das Land ist sehr klein, die Medien- und Kommunikations-Branche ist im Vergleich zu den großen Industrienationen sehr überschaubar. Die Illustratoren haben berichtet, dass es positiv zu verzeichnen ist, dass die Szene selbst vieles für die Veröffentlichung von Illustrationen tut. Die auf dem non-profit Prinzip erstellte Literatur- und Kunstzeitschrift „ROHAM“ (ung., übersetzt: „Anfall“) hat in jeder ihrer 8 Ausgaben freie Zeichnungen und Illustrationen jenseits des Mainstreams publiziert. Es werden ab und zu auch kleine Kreativ-Teams mit der visuellen Verjüngungskur von kleineren Bereichen oder Themen großer verstaubter Mammutgesellschaften des Landes beauftragt. So wurde eine Promotion für die Lottogesellschaft komplett illustriert, die Post beauftragt ein bis zweimal im Jahr Briefmarken mit Illustrationen und die öffentlichen Verkehrsbetriebe ließen ihre alten Piktogramme komplett überarbeiten, um einen zeitgemäßen Auftritt zu genießen.

Einige Illustratoren haben erzählt, dass sie trotz dieser positiven Tendenzen auf Grund der Auftragslage nicht nur als Illustratoren von Kinderbüchern, Comics, Werbekampagnen und Editorials tätig sind, sondern auch als freie oder feste Grafiker bei Werbeagenturen, Game-Entwicklern oder als Zeitungssetzer arbeiten. Es gibt jedoch durchaus einige Ausnahmen bei den freiberuflichen Illustratoren, die sich internationale Anerkennung erarbeitet haben und sich dadurch auch von der lokalen Auftragslage einigermaßen unabhängig machen konnten.

Es steckt noch sehr viel mehr Potential in den einzelnen Illustratoren, tolle Ideen, tolle Bilder, die hoffentlich bald Ihren Weg auf das Papier finden werden und noch viele in Ungarn und über die Landesgrenzen hinaus erreichen werden.

Hier nun einige Illustratoren aus der Szene, ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Die Artworks sprechen für sich selbst, von nach unten;

Karpati Tibor – illustriert regelmäßig für den New Yorker Pixel-Art-Stücke. Andris Baranyai – wurde schon auf der Buchmesse in Bologna in die renommierte Auswahl von „The edgiest Artist of the International Children’s Book Fair.“ gewählt und zeichnet für Reader’s Digest. Andrea Balogh – zeichnet Kinderbücher und Editorials. Dori Siraly – ist als freiberufliche Illustratorin und Grafikerin gut gebucht. Laszlo Nagy – erstellt Cover und Plakate für Bands weltweit und doziert an der hervorragenden Moholy-Nagy-Universität für Kunsthandwerk und Gestaltung (MOME), wo auch viele talentierte Illustratoren Ihre Ausbildung gemacht haben.

Die Zeitschrift ROHAM: www.roham.hu