Der Kampf um die Stadt.

Montag, 4. Januar 2010
Von Caroline Seidler 04. Januar 2010 Kommentare 0

Das WIENMUSEUM zeigt derzeit eine Ausstellung mit dem Thema: DER KAMPF UM DIE STADT, in der es um Wien um die Jahre 1920/30/38 geht. Eine sehr politische Zeit in Europa.

Auffallend ist der Stellenwert der Plakate in dieser Zeit: alle Themenkreise, durch die diese Ausstellung führt, werden auch durch themenafine Plakaten/grafischen Gestaltungen aus dieser Zeit dokumentiert: Politik, Kunst, Architektur, Tourismus, Werbung, Mode usw. Schön zu sehen ist die Kraft der Bilder. Die Kraft der Illustration. Inhalte werden durch Farben, Licht, Perspektiven ... unterstützt, nichts ist überladen!

Ein umfassendes Zeitgeschichte- und Kulturpanorama Österreichs der 1920er- und 1930er-Jahre, eine der größten historischen Ausstellungen der vergangenen Jahre: Das Wien Museum zeigt ab 19. November im Künstlerhaus auf beiden Geschossen »Kampf um die Stadt. Politik, Kunst und Alltag um 1930«.

In einer interdisziplinären Ausstellung wird die Zeit zwischen den mittleren 1920er- und mittleren 1930er-Jahren in Österreich dargestellt – mit Fokus auf Wien: Es geht um jene entscheidenden Jahre, als die Zukunft der jungen Republik auf der Kippe stand, zwischen Demokratie und Diktatur, zwischen Aufbruch und Reaktion. Es gab keine nationale Identität, die politischen, sozialen, weltanschaulichen und kulturellen Gegensätze waren schroff und unversöhnlich, die Feindbilder zwischen Schwarz, Rot und Braun starr, die Lebensverhältnisse instabil. Wirtschaftskrisen und Arbeitslosigkeit führten zur sozialen Deklassierung und Verunsicherung breiter Schichten. Faschistoide und antisemitische Tendenzen bekamen Rückenwind, Gewaltbereitschaft und aggressive Agitation bestimmten das Klima.

Die divergierenden Werthaltungen spiegelten sich auch in der Lebenspraxis der Menschen. Neben den wichtigsten Ereignissen der Zeitgeschichte und zentralen Konfliktfeldern werden grundlegende Tendenzen und Leistungen in Kunst, angewandter Kunst und Populärkultur dargestellt. Eine besondere Aufmerksamkeit gilt dem Alltagsleben und dem Lifestyle der 1920er- und 1930er-Jahre. Vor allem versucht die Ausstellung, die Tiefendimension des Politischen und die kollektiven Identitäten gegensätzlicher soziokultureller Milieus herauszuarbeiten, mit Blick auf politische Codes und bildkulturelle Stereotypen.

Ausstellungsort: Wien Museum im Künstlerhaus, 1010 Wien, 19. November 2009 bis 28. März 2010, Dienstag bis Sonntag und Feiertag 10 bis 18 Uhr, Donnerstag, 10 bis 21 Uhr

Themen der Ausstellung in Stichworten: Chronologie der politischen Gewalt / Politische Lager und ihre Symbole / Kommunaler Wohnbau und Fürsorgesystem im Roten Wien / Antisemitismus / Wirtschaftskrise und Arbeitslosigkeit / Konfliktfeld Bildung / Konfliktfeld Sexualität / Frauen- und Männerbilder / „Kampf um die Seele“: Sozialdemokratie versus Kirche / Tendenzen in Malerei und Skulptur / Kulturpolitik und Kunstbetrieb / Neue Medien und ihre Auswirkung auf Politik und Alltag / Schneller und heller – die Modernisierung der Großstadt / „Café Elektric“ und die Halbwelt der Nacht / Natursehnsucht und Stadtkritik / Heimatkult, Volkstumsideologie und Alpenmythos / Mode und Lifestyle / Bauen und Wohnen (Architektur, Interieur, Kunstgewerbe) / Plakatdesign und neue Werbeformen / Körperbilder in Tanz und Fotografie / Die Amerikanisierung der Massenunterhaltung (Revue, Tanzmusik, Film).