Der Ehrenpreis – Eine Initiative von Juli Gudehus

Von Raban Ruddigkeit 30. November 2012 Kommentare 0

Seit einigen Wochen tobt die Award-Diskussion auf einem neuen Niveau. Große Agenturen wie Jung von Matt und Scholz & Friends steigen (zeitweise?) ganz aus, andere reduzieren ihre Einsendungen drastisch. Es geht um Relevanz, Rankings und jede Menge Rubel. In dieser Situation taucht die umtriebige Juli Gudehus auf und verkündet noch einen neuen Preis - den »Ehrenpreis«. Was hat es damit genau auf sich? Freistil-online hat ihr dazu 3 Fragen gestellt.

Es gibt eine gefühlte Trilliarde Awards. Und jetzt kommst du mit noch einem neuen um die Ecke. Warum?

Ich würde sogar sagen: Phantastilliarden. »Wettbewerbssituation« ist im Zusammenhang mit einem Wettbewerb ein besonders schöner Begriff. Ein Wettbewerb im Wettbewerb …
Aber der »Ehrenpreis für Gestaltung« ist gar kein Wettbewerb. Allerdings ist er ein Preis und damit bei weitem nicht der einzige auf weiter Flur. Bei genauerem Hinsehen stellt sich aber heraus, dass er gewissermaßen die Birne unter den Äpfeln ist – er lässt sich mit den anderen Preisen kaum vergleichen.
Der Ehrenpreis will etwas anderes und leistet etwas anderes. Unser Portal ist Ausgangsbasis für ein differenziertes Gespräch über Gestaltung, zu dem wir sowohl die Fachleute als auch die Nutzer einladen. Im Fokus steht also nicht nur, was gestalterisch eigentlich gut ist, sondern auch warum im Einzelnen. Es geht darum, wie und wie sehr Gestaltung jederzeit unser Empfinden, Denken und Handeln beeinflusst.
Es gibt dort regelrechte »Plädoyers« für die einzelnen Arbeiten, eigene Beschreibungen der jeweiligen Gestalter, Kommentare der Besucher und - je nachdem - Einschätzungen der Gutachter und Juroren. Was auch immer von wem auch immer hier geschrieben wird, wird öffentlich lesbar sein und bleiben. Diesen Facettenreichtum und diese Transparenz finden wir wichtig und spannend, darauf freuen wir uns.

Sag uns die drei wichtigsten Argumente, wodurch sich der Ehrenpreis von allen anderen Awards unterscheidet?

Erstens: Unser Vorbild ist das Bundesverdienstkreuz - eine für die damit Ausgezeichneten unverhoffte und kostenlose Ehrung. Alle Bürger können sich gegenseitig kostenlos und mit schriftlicher Begründung dafür vorschlagen. Dieser Staatspreis will nichts weiter, als öffentlich und mit kräftigem Applaus Menschen zu ehren, die Gutes schaffen. Das wollen wir auch, und zwar im Bereich der Gestaltung.
Zweitens: Wir wenden uns ausdrücklich an diejenigen, die mit Gestaltung aller Art leben. Das heißt, Gestalter können keine eigenen Arbeiten für den Ehrenpreis einreichen. Arbeiten werden stattdessen von begeisterten Nutzern, von zufriedenen Auftraggebern, stolzen Lehrenden etcetera ... vorgeschlagen. Wenn Du also in letzter Zeit etwas gesehen hast - App, Bluse, Comic ... Xylographie, Yacht, Zierat - was Dich begeistert hat, dann schlag es vor! Deine Gestalterkollegen werden sich darüber freuen!
Drittens: Der Ehrenpreis ist der erste Preis, der für sämtliche gestalterischen Disziplinen offen ist: von Kommunikation, Identität und Unterhaltung über Produkt, Kleidung und Zier bis Raum, Gebäude und Gelände, digital und analog. Es geht darum, das Ansehen dieser Kulturleistung in Deutschland zu fördern, die unseren gesamten Alltag durchzieht. Es gibt entspechend sieben Preiskategorien, die den Blick darauf richten, in welcher Weise und in welchem Maße Gestaltung dazu beiträgt, unsere Welt zu verschönern und zu verbessern.

Reden wir über Geld. Wie finanziert sich die Organisation und der Preis selbst genau?

Zum Glück und leider habe ich über diesen Aspekt nicht nachgedacht, als ich den Ehrenpreis ins Leben rief. Ich war komplett darauf ausgerichtet, das so zu konstruieren, wie es meiner Meinung nach optimal wäre. Die meisten existierenden Preise finanzieren sich über die Teilnahmegebühren, pro Arbeit meistens ein paarhundert Euro. Diejenigen, die das nicht so machen, sind Stiftungen mit eigenem Geld. Der Ehrenpreis hat weder selbst Geld noch nehmen wir Gebühren ein. Also sind wir komplett freischwebend. Das ist einerseits ein Riesenvorteil, weil wir wirklich unabhängig sind, andererseits ist das natürlich auf Dauer unhaltbar.
Wenn das Ganze irgendwann einmal eine Institution werden soll, wie etwa die Kindernothilfe oder ähnliches, dann brauchen wir große Sponsoren, die dafür sorgen, dass eine Handvoll von Leuten beim Ehrenpreis hauptberuflich arbeiten können. Auch für die Preisgelder, die es geben soll, brauchen wir Sponsoren. Und für die Arbeit, die wir in den letzten Monaten geleistet haben – einige von uns mehrere Tage, einige wochenlang und ich für meinen Teil arbeite seit Februar vollzeit für den Ehrenpreis.
Ich denke, dass eine solche Konstruktion möglich ist, sonst würde ich es gleich ganz bleiben lassen. Aber es wird auch nicht einfach sein. Viele Firmen halten es für eine gute Sache, kulturelle und soziale Projekte zu unterstützen. Das was wir machen, ist zwar sowohl ein kulturelles als auch ein soziales Projekt, ist aber noch nicht etabliert und überhaupt ist auch nicht Usus, Design zu fördern. Wir werden uns da extrem ins Zeug legen müssen, um zu überzeugen.

www.der-ehrenpreis.de