Bei Husmann/Tschaeni im Atelier (2/3)

Von Pascal Staub 23. April 2010 Kommentare 0

Heute präsentiert Pascal Staub die Folge 2/3 über das Schweizer Künstlerpaar Husmann/Tschaeni. Sie erzählen uns, wie sie Ihre Bilder anfertigen und wie ihre Bildwelt entsteht. Folge 3 erscheint am 4. Mai und handelt von ihrer Performance.

Was steht ganz am Anfang eines neuen Werkes?

Mira: Wenn ich mit einem Bild beginne, schaue ich meistens zuerst viele Bücher über Pflanzen, Zellen, Tiere, technische Objekte oder meine Skizzenbücher an und so entstehen dann langsam die ersten Linien und Kreaturen auf der Rückseite eines Acrylglases, dann geht das Acrylglas an Michael weiter und Kinder, Tiere und Objekte mischen sich darunter. Dann arbeite ich nochmals an der Zeichnung und so können sich unsere Zeichnungen verwickeln und wir beginnen mit der Malerei. Was einmal gemalt ist kann nicht mehr übermalt werden, da wir das Acrylglas von hinten bemalen und so immer das erstgemalte sichtbar bleibt. Wenn Michael als erster zeichnet ist seine Zeichnung meine Ausgangslage und ich erfinde mein Universum dazu.

Michael: Zuerst sammle ich Sachen. Kleider, Möbel, Objekte aus Brockenhäuser und unserem Alltag. Mit diesen Sachen mache ich eine „Bühne“ für die Kinder bereit. Sie können sich darin ohne meine Anweisung bewegen. Passend zu den gewählten Bewegungen kommen noch die Tiere und Stimmungen dazu. Jede Ausstellung ist ein Kapitel und die Bilder einer Ausstellung gehören inhaltlich zusammen. So bewegten sich die Bilder für die Ausstellung in Mumbai um den Songtext unserer Performance „oh, it’s an eerie frost“. Sie sind alle mit hauchdünnen gedanklichen Fäden verbunden. Es geht u.a. um Plastik-Vampirzähne auf dem Marmorboden, Muffins beim Wildhauser Schafsberg, Nordlicht und eisiger Kälte. Diese Geschichten enstehen im Lauf des Prozesses.

Wie arbeitet ihr, zu zweit?

Michael: Bei der Malerei arbeiten wir getrennt an einem Bild. Mira hat ihre Bildsprache und ich meine. Wir sprechen uns nicht ab jeder hat seine eigenen Vorstellungen, so ist das Endergebnis immer eine gewisse Überraschung.
Bei den Installationen und Performances etc. tauschen wir unsere Ideen aus und beginnen dann ein gemeinsames Projekt, wobei gewisse Teile von Mira ausgeführt werden und andere von mir.

Wie hat sich eure Arbeitsweise und eure Bildsprache in den letzen Jahren verändert?

Michael: Mein Stil war grafisch und plakativ. Heute interessiere ich mich für die abwechselnde Malweise von mehr oder wenig genau naturalistisch bis zum trashigeren Strich. Die Graffitiszene von Melbourne hat meine Arbeit auch beeinflusst mit ihren Stencils. Thematisch war ich anfänglich launischer, heute verfolge ich mit den Kindern als meine Protagonisten klarere Visionen.

Mira: Unsere Bilder sind komplexer und zeitaufwändiger geworden, auf einem Bild sind meistens viele Schichten und Details. Auch die Technik hat sich verändert, unsere ersten Acrylglasbilder waren nur mit Kunstharz und Ölkreide gemalt. Heute arbeiten wir mit Bleistift, Farbstift, Kreide, Aquarell, Ölfarbe, Spray, Pigmente, Glimmer, Kunstharz und vieles mehr.

www.husmanntschaeni.com

Coming soon: Husmann/Tschaeni's Performance, posting am 4. Mai 2010