Böse Bilder.

Von Felix Scheinberger 04. Januar 2010 Kommentare 3

Der dänische Zeichner Kurt Westergaard ist dieser Tage nur sehr knapp einem Attentat auf sein Leben entgangen. Der Grund; eine Karikatur des islamischen Propheten Mohammed. Zugleich erreichte uns die folgende Reportage von Felix Scheinberger, die sich mit dem Krieg der Bilder im Nahen Osten auseinandersetzt. Ein Krieg, der nun auch uns erreicht hat.

Illustration, Grafik und Animation als Propagandainstrumente

Der Soldat sieht aus wie ein Oger. Vor blutrotem Himmel stampft er durch die Strassen. In der Froschperspektive verkürzte Frauen und Kinder fliehen in die Häuser. Er sieht sich um. Engstehende Augen über einer niedrigen Stirn. Auf seinem Helm ein Davidstern. Jetzt entdeckt er das Mädchen. Sein Gesicht verformt sich zu einer diabolischen Grimasse, das Mädchen ist in eine Sackgasse gerannt, es hat keine Chance: Der Soldat lächelt böse, er hebt sein Gewehr ...

Wenn man über die Grafik- und Medienlandschaft im Nahen Osten schreibt, kommt man schwer an der Tatsache vorbei, dass hier gerade in unserem Bereich – der Grafik, der Illustration und der Animation – gnadenlos zum Hass aufgestachelt wird. Das Problem für einen westlichen Beobachter liegt darin dass, man natürlich leicht zum Erfüllungsgehilfen der einen oder anderen Sache wird. Andererseits ist das Ausmaß der – wirklich haarsträubenden – Bilder und Animationen bei uns in Europa schlicht nicht bekannt. Wenn man z.b. hier Morgens durch die Kanäle zappt, bekommt man Kindersendungen der Hamas zu sehen, in denen lustig aussehende Comic Figuren zur Vernichtung Israels aufrufen. So prägte z.b die palästinensische Micky Maus Kopie „Farfour“ in der Kindersendung »Pioneer of tomorrow« den Slogan »Wir wollen die Juden auslöschen«, um von der 8jährigen Moderatorin im Schaddor beklatscht zu werden. »Auslöschen? Großartig Farfour!«

Ein immer wiederkehrendes Motiv ist auch der Israeli als Kindermörder wie in dem anfangs beschriebenen Trailer einer türkischen Produktion. (Wie erfolgreich diese Propaganda ist, zeigt allein die Tatsache, dass ich mich beim Schreiben frage, ob ich den europäischen Lesern erklären muss, dass die israelischen Soldaten nicht die Anweisung haben, möglichst viele Kinder zu töten.)

Aus der arabischen Welt – gerade aus dem Iran – kommt zudem eine regelrechte Schwemme von Animationen, in der Juden nicht als Kriegsgegner sondern als Ratten oder Ungeziefer auftauchen (neuerdings übrigens auch Christen und Amerikaner). Die Animationen werden überwiegend in kleinen Studios mit Flash produziert und über Sender wie Palestine Media Watch in der arabischen Welt ausgestrahlt. Große Verbreitung finden auch Video Spiele wie »Under Siege« oder »Special Force«, die von der libanesischen Hisbollah vertrieben werden. Das Thema auch hier: Juden töten.

Ein weiteres ziemlich übles Kapitel ist die Schulbuchillustration. In Palestinänsischen Schulbüchern wird der Mord an den europäischen Juden immer öfter in bunten Bildern geleugnet. Die offizielle Version ist, dass es sich um eine Erfindung der Israelis handele, um das palestinänsische Volk zu unterdrücken. (Perfide ist, dass sich hartnäckig das Gerücht hält, viele dieser Schulbücher seien mit Mitteln der Europäischen Gemeinschaft produziert wurden.)

Wenn man auf die israelische Seite schaut, stößt man auch da auf Propaganda, wenn auch wie man sagen muss, auf deutlich subtilere. Mordaufrufe wird man in der westlich geprägten und pluralistischen Gesellschaft nicht finden, aber gerade religiöse Rechte und Splittergruppen produzieren trotzdem auch hier böse Bilder.

Die bekanntesten kommen zunächst einmal recht harmlos daher. Es handelt sich um fotorealistische Pläne und Ansichten des ehemaligen jüdischen Tempels auf dem Tempelberg. Diese – im Stil der amerikanischen Readers Digest Illustration der achtziger Jahre gehaltenen – Infographiken informieren über Aussehen, Größe und Funktion des antiken Salomonischen und Herodischen Tempels in Jerusalem. Auf den ersten Blick viel Gold, Blau und Weiß, harmloser Kitsch, Andenken für Religiöse mit schlechtem Geschmack. Der zweite Blick offenbart allerdings oft Gruseliges. Auf manchen dieser Poster sind nämlich nicht nur die Pläne des ersten und zweiten Tempels (beide wurden durch Nebukadnezar und die Römer in der Antike zerstört ) sondern auch Pläne für den von religiösen Rechten erträumten und noch zu errichtenden dritten Tempels zu sehen. Dass der Bau eines dritten Tempels auf dem Plateau des Tempelberges den Abriss der jetzt dort befindlichen arabischen Heiligtümer bedeuten würde, liegt auf der Hand. (Und das würde vermutlich nichts weniger als den dritten Weltkrieg auslösen). Diese Poster werden zwar nur von einer Minderheit der Israelis gut geheißen, aber sie sind natürlich Wasser auf den Mühlen islamischer Fundamentalisten.

Ein weiteres Propagandamerkmal findet man im Sprachgebrauch der politischen Rechten in Israel. Das Wort Terrorist wird geradezu inflationär behandelt. Widerstand gegen die Israelische Regierung – und sei es auch nur ein Streit um Bauvorschriften – wird von Religiösen und Konservativen schnell sprachlich in die Nähe des Terrorismus geschoben. Dies bringt natürlich eine Diskreditierung der Akteure mit sich. Wenn ein berechtigter Widerstand gleich Terrorismus wird, muss man, aus Sicht der politischen Rechten, natürlich auch nicht mit den Akteuren verhandeln. Die sprachliche Nähe diskreditiert nämlich nicht nur den Gegner, es bringt die Möglichkeit mit sich, über dessen, vielleicht durchaus berechtigten, Forderungen hinwegsehen zu können.

So gesehen dienen Diffamierung und Propaganda in erster Linie dem Stillstand im Nahen Osten.

Ein Freund bemerkte neulich bei einem Besuch in Jerusalem dass der kategorische Imperativ hier ja keine allzu große Rolle zu spielen scheine. Für mein Dafürhalten hat er damit den Nagel auf den Kopf getroffen. Kants kategorischer Imperativ ist eine elaborierte Form des umgangssprachlichen Satzes: »Was du nicht willst, das man dir tu das füg auch keinem anderen zu.«

(Abbildungen: Hamas TV)

Finster

So interessant es ist solche Informationen aus erster Hand zu bekommen, es stellt das Ganze umso finsterer dar.
Bei der Manipulation von Kindern schwillt einem einfach der Kamm. Natürlich ist nichts wirklich Neues und wurde auch von westlichen Militärmächten erfolgreich eingesetzt. Die Vermittlung dieser hasserfüllten Botschaften erhält aber durch das Gewand des Kinderfilms selbst für mich eine groteske gesteigerte Bedrohlichkeit..

Du hast natürlich recht, man fühlt sich selber auch beeinflusst oder zu wenig informiert, wenn sich zB. der Ärger über Dreikäsehoch Achmadinedschad in einem regt. Hat man das Recht dazu? Stimmt es, was man aus den Medien weiß?

Was einem bleibt ist der Ärger über den Missbrauch unserer geliebten Illustration..
Danke dir für deinen Artikel.

Viele Grüsse IB

die 8jährige, die man hier

die 8jährige, die man hier sieht trägt kein schaddor! nur ein kopftuch!

jetzt habe ich auch noch den

jetzt habe ich auch noch den schreibfehler übernommen. nicht schaddor, sondern t s c h a d o r!