»Auf das Leben!« Ein Ausflug nach Israel

Von Raban Ruddigkeit 16. Dezember 2009 Kommentare 1

Von Judith Drews, Raban Ruddigkeit und Felix Scheinberger

»Ner li, Ner li dakik« - »Mein Licht, mein kleines Licht« klingt es aus den Häusern. Es ist Chanukka, das jüdische Lichterfest und wir sind – obwohl aus handfesten fachlichen Gründen hier – nichts weniger als verzaubert. Der Kalkstein reflektiert den Schein der Kerzen, erstrahlt in warmen Ocker und wirft tastende Schatten und Tupfen aus Licht in den Abend ...

Bevor man eine Reise in die heilige Stadt in Israel als einer der präkersten Konfliktregionen der Welt antritt, macht man sich viele Gedanken. Um die eigene Sicherheit, um die historische Distanz zwischen Juden und Deutschen und vieles mehr. Umso größer ist der Schock, wenn plötzlich alles anders kommt.

Noch nie zuvor haben wir uns so willkommen gefühlt, so unvoreingenommen betrachtet und geschätzt. Isreal wird zusammengehalten von einer Mischung aus Respekt, Toleranz und Solidarität, die auch jeden Gast einschließt. Vielleicht gerade deshalb, weil eine ständige Bedrohung über diesem Land und seinen Einwohner schwebt.

Die schmerzlichen Kontraste und tiefsitzenden Aggressionen sind spürbar und in vielen Details auch sichtbar. Pinke Plüschpanzer gehören zur arabischen Erziehung wie Fernsehshows, in denen spielerisch Juden gemetzelt werden. Dies sind natürlich nur Ausnahmen, doch sie bestätigen die Regel.

Israel selbst ist weitestgehend westlich und die Bezalel Academy – allen Widrigkeiten zum Trotz – die führende Hochschule im gesamten Nahen Osten. Insbesondere Animation und Illustration spielen eine tragende Rolle. So ist ganz aktuell der Film »Waltz with Bashir« des Bezalel-Professors David Polonsky international bekannt geworden.

In Bezalel – benannt nach dem ersten Künstler der hebräischen Mythologie – lehren zeitgenössische Illustratoren wie Orit Bergman, Gary Basemann, Merav Salomon, Adi Stern oder Rony Oren. Merav und Adi waren es auch, die unseren gemeinsamen Vortrag ermöglichten.

»German Contemporary Illustration« hieß die Lecture, zu dem die Akademie Judith Drews, Illustratorin und Vorstandsmitglied der IO, Raban Ruddigkeit, Grafiker und Freistil-Herausgeber und Felix Scheinberger, Illustrator, IO Mitglied und zur Zeit hier Dozent eingeladen hat. Ein vollbesetzter Hörsaal und jede Menge neugierige Fragen machen das Interesse der Studenten nach Austausch und Internationalität deutlich.

Denn Zeichnen und Illustrieren ist immer auch ein Stück verstehen wollen, ein Stück Erkenntnisgewinn. Bilder sind nichts weniger als eine globale Sprache. Und so bringt uns der Aufenthalt ungewöhnliche und private Einblicke in den Alltag und damit ein tieferes Verständnis für die Situation aller Menschen im nahen Osten. In eine Situation, die in vielfacher Hinsicht voller Tretminen steckt.

Uns bleibt zu wünschen, dass auch hier die jungen Generationen in der Lage sein werden, über die Schatten der Vergangenheit zu springen. Ein Trinkspruch, den wir kennengelernt haben heißt im Hebräischen »Le Chaim« und im Arabischen »Fi Sahtak «.

Und in unserer eigenen Sprache »Auf das Leben!«

Es war wunderbar ...

... wir kommen wieder!