»Alles Farbe!«, Ein gemeinsames Kinderbuch aus dem Atelier Flora

Freitag, 17. Februar 2012
Von Raban Ruddigkeit 30. Januar 2012 Kommentare 1

Judith Drews, Andrea Peter, Cally Stronk und Regina Voss haben in Küche und Supermarkt, Natur und Stadt Farbgeschichten gesammelt und sie in ihrem Buch in Papier und Pappe, in Knete und Foto und natürlich Illustrationen weitererzählt.

Am 17. Februar 2012 um 16.30 Uhr feiert das Atelier Flora in ihrem Hausbuchladen BuchSegler in Berlin-Pankow die Buchpremiere. Alle sind eingeladen, doch bitte unbedingt an den Dresscode denken: Kommt bitte komplett in eurer Lieblingsfarbe gekleidet!

Im Interview erzählen die Autorinnen über den Entstehungsprozess des Buches:

Wie ist das Buch „Alles Farbe!“ entstanden?

Judith: Vor einigen Jahren hatte ich die Idee zu einem Farbbuch, dass sich mit den Nuancen einer Farbe beschäftigt. Im Alltag mit anderen Menschen gerät
man immer wieder in Situationen bei denen klar wird, wie subjektiv die Farbwahrnehmung des Einzelnen ist.(...) was (ist) denn nun noch dunkelrosa oder vielleicht doch schon violett oder vielleicht rot. Ist magenta rot nicht eigentlich rosa und ocker schon gelb? Als ich dann diese Idee im Atelier erzählte waren alle sofort begeistert und los ging's!

Regina: Nach dem ersten großen Brainstorming hat jede von uns erstmal Bilder produziert - Lieblingsthemen nach Lust und Laune umgesetzt. Außerdem waren wir ständig auf der Jagd nach guten Farbobjekten für die Sammlungen. Nicht nur der eigene Haushalt wurde durchsucht. Im Laufe des Prozess haben wir immer stärker genau geplant. Wer macht welche Seite? Auch haben wir versucht eine Art inneren roten Pfaden für den Inhalt zu entwickeln. Jedes Bild sollte zum darauf folgenden führen und es sollte Querverweise zwischen den Darstellungen geben. Vom rein kreativen Prozess haben wir immer wieder in das Überlegen und Planen gewechselt. Und, nicht zu vergessen, musste zum Schluss ja noch ein Buch draus werden - Klappentexte verfassen, einen Titel finden und vor allem musste die gesamte Grafik entwickelt und umgesetzt werden.

Welche Entdeckungen habt ihr beim Arbeiten am Buch gemacht?

Andrea:Dass rote Trauben blau sein können, aber eigentlich fast schwarz aussehen, (...) Violett eine schwierige Farbe ist und in der Natur fast nicht vorkommt, Grau gerne vergessen geht, obwohl es überall ist.

Cally: ...es ist auch echt spannend gewesen, wie die Arbeit an einem Thema auch die Wahrnehmung beeinflussen kann. Der Blick verändert sich. Wir sind monatelang farbfokussiert durch die Straßen gelaufen.

Regina: Es gab verrückte Entdeckungen: Ein Haus in der Nachbarschaft wurde in rosafarbenes Dämmungmaterial eingepackt, in der Natur gibt es unglaublich viele künstlich wirkende Farben...

Judith: Schön war es zu beobachten, wie die Kinder um uns reagierten, denen wir von unserem Buch erzählten bzw die bei einigen Bildern mitwirkten. Die Stiftesammlungen wurden zuhause nach Farben sortiert, Bilder nur in einer Farbe wurden gemalt und ganze
Schubladen ausgekippt und sortiert. Grossartig. Genau so sollte es sein!

Was hat dir daran am meisten Spass gemacht?

Andrea: Bilder neu zu denken, neue Techniken auszutesten, wieder mal ein bisschen zu basteln, zu sehen, wie aus der Anfangsidee ein Buch entstand, das immer dichter und reicher wurde...

Cally: (...) einfach mal komplett neue oder längst vergessene Dinge zu tun. (...) Plätzchen in bestimmten Formen zu backen und einfach irgendwelche Dinge zu basteln und zu bauen, das war toll. Teilweise dachte ich, lustig, ich mach hier Sachen, die ich im Kindergarten gemacht habe – und kann es trotzdem Arbeit nennen.

Judith: Es war immer wieder ein kleines Wunder welche fertigen Bilder dann auf einmal ganz großartig nebeneinander wirkten und sich bestärkten und andere Doppelseiten, die als Idee perfekt waren funktionierten plötzlich nicht mehr.
Mein anderer Spaß war das Benutzen von Buntstiften...

Regina: Kneten...auch das gemeinsame Arbeiten. Da gab es schon sehr euphorische Momente, wenn man merkt, dass die Anderen die Ideen verstehen, die Anschauungen über gute Kinderbücher sich ähneln.

Wie soll man das Buch benutzen?

Judith: In die Hand nehmen, anschauen und sich freuen. ... und das immer wieder!

Andrea: ...Geschichten erzählen, Ideen sammeln, Objekte nachbauen, sich anregen lassen seine Umwelt nach Farben zu untersuchen - mit Kindern, Schulklassen, zu Hause, unterwegs, im Museum, auf dem Klo, auf dem Nachttisch und im Baumhaus

Was soll das Buch bewirken?

Judith: Schaut Euch das Buch einfach an dann werdet ihr es bemerken...
Es bringt einen großen Spaß seine Wahrnehmung gegenüber Farben in unserer Welt anzuregen und spielerisch im Alltag damit umzugehen.

Cally: Wir hoffen natürlich, dass die Leser selbst aktiv werden. Wer seine eigenen Farberfahrungen macht, kann uns Fotos und Erfahrungsberichte schicken. Mit ein bisschen Glück landen die dann auf unserem „Alles Farbe!“-Blog: allesfarbe.blogspot.com

Was war dir bei der Arbeit am Buch wichtig?

Cally: dass das Buch inhaltlich stark und eben nicht einfach nur schön wird. Für mich persönlich war es zudem natürlich auch sehr wichtig, dass die Texte zu den einzelnen Farben gut werden und als Einstieg in das jeweilige Kapitel funktionieren.

Judith: Ich denke wir haben es geschafft, dass "Alles Farbe!" nicht konstruiert und angestrengt wirkt sondern, dass man den Spaß fühlt, den wir alle gehabt haben - und das war mein Ziel.

Regina: Einmal habe ich zu meinen Kolleginnen gesagt, dass es ein intellektuelles Buch ist. Das klingt trocken, doch was ich meine, ist, dass es rundum gut durchdacht ist und trotzdem "leicht" ist. Das war mir wichtig und hat sich für mich erfüllt.

Hat sich dein Blick verändert?

Andrea: Ich habe gemerkt, dass ich mit dem linken Auge alle Farben ein bisschen heller sehe… Farbe ist etwas sehr "Relatives". Sie verändert sich durch das Licht, durch Kontraste und Vergleiche. Jede Farbe hat unzählige Abstufungen und Nuancen und dafür reichen eigentlich unsere Bezeichnungen (wie Senfgelb, Himmelblau oder Blutrot) nicht im geringsten aus. Man kann versuchen, die Farbe noch etwas präziser zu beschreiben und dann klingt es vielleicht etwa so, wie heute beim Siebdrucker: "Wir hätten gerne etwa dieses Zinnoberrot, aber ein bisschen heller, mehr ins Orange und etwas weniger schmutzig." Es macht Spass über Farben zu diskutieren!

Regina:Neulich habe ich auch einen Wasserhahn entdeckt, der hatte einen roten und einen grünen Punkt auf den Drehknöpfen. Das hätte ich früher wohl übersehen.

Welches ist deine liebste Farbkombination?

Cally: In der Wohnung und Stadt mag ich beispielsweise grau überhaupt nicht, besitze allerdings um die zehn graue Kaputzenjacken. Die kombiniere ich gerne mit weiß und mintfarben.

Andrea:Rot mit Violett, beides schön kräftig.

Judith: Rosagrün und weissweiss.

Regina: Ganz klassisch: Blau und Weiss. Und auch Braun und Blau.

Welche Farben beissen sich?

Cally: Beißen sich Farben wirklich?

Andrea: Als Kind habe ich gelernt, dass Rosa und Rot zusammen gar nicht gehen. Das habe ich lange nachgeplappert und auch so empfunden. Solche Sachen sollte einen niemand erzählen, weil man dann womöglich das Experimentieren vergisst.

Wie wäre unsere Welt ohne Farben?

Judith: Darüber möchte ich gar nicht nachdenken. Interessanter finde ich es, wie Farbenblinde unsere Welt sehen - und wie sie wohl unser Buch finden...

Cally: Wenn ich mir alles grau oder schwarz vorstelle, finde ich das ziemlich traurig. Der Gedanke alles in schneeweiß zu sehen, hat wiederum etwas romantisches, himmlisches an sich.

www.atelierflora.blogspot.com

Alle Farbe

Es war ein richtiges Vergnügen Euch zu lesen mit Euren bunten Sätzen. Viel Erfolg - Anke