3 Fragen an: Thilo Rothacker, Illustrator und Dozent

Von Raban Ruddigkeit 04. März 2010 Kommentare 0

Linked by adc.de Auf der runderneuerten Plattform des Art Directors Club für Deutschland (ADC) finden sich auch die Portraits einzelner Mitgleider, deren Arbeiten aktuell besonders auf sich aufmerksam machen. Neben vielen anderen Kreativen wurde auch der Illustrator Thilo Rothacker befragt. Freistil-online präsentiert das Gespräch über die Tücken des Berufs und die Qualitäten einer guten Illustration.

Thilo Rothacker studierte Illustration und Grafik Design an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart bei Heinz Edelmann. 1991 zog es ihn nach Paris, wo er als freier Illustrator für Werbung, Zeitschriften und Verlage arbeitete. 1999 kehrte er nach Stuttgart zurück. Hier unterrichtet er neben seiner Tätigkeit als Illustrator an der Merz-Akademie im Bereich Visuelle Kommunikation.

Wann ist eine Illustration eine gute Illustration?

Wenn ein Illustrator mit einer Bildidee beim Betrachter mehr auslösen kann als das bloße Kapieren eines Sachverhaltes beim Zusammenspiel von Headline und Text, dann ist der Job gut gemacht. Ideen brauchen Wirkung! Das Runde muss ins Eckige, die Botschaft muss ins Hirn, aber das Ziel einer guten konzeptionellen Illustration ist komplizierter: Sie kann nämlich durch Inhalt und Form beim Betrachter etwas auslösen, das man nicht sagen oder schreiben kann. Die Botschaft ist dann bei jedem, der sie wahrnimmt, zwar ungefähr gleich angekommen, aber jeder hat sie sich selbst gemacht – und das ist viel charmanter als ein erklärter Witz. Eigentlich kam ich vom Comic, und das hat natürlich auch großen Einfluß auf meine Arbeit. Aber jede konzeptionelle Idee braucht die richtige Umsetzung, deshalb ändere ich gerne Stil und Ausdrucksform.

Sind Illustrationen bei der heutigen Bilderflut nicht antiquiert?

Hartnäckig hält sich das noch unentkräftete Vorurteil, dass Agenturen nur dann eine Illustration buchen, wenn kein Geld für ein Fotoshooting da ist. Das war wohl mal so und ist vielleicht auch noch oft der Fall, hat sich aber in den letzten Jahren stark verändert. Nachdem man in Publikationen und insbesondere in der Werbung kaum noch nicht-synthetische Fotografie findet und man auch dem Film nicht mehr ganz trauen kann, ist die Illustration authentischer. Sozusagen direkt vom Fass.

Was macht das Arbeiten als Illustrator spannend?

Der Reiz an der Arbeit für Zeitungen und Magazine liegt auch in der kurzen Deadline. Der Art Director schickt ein Thema oder einen Text, und ich ihm daraufhin mein Scribble, auf dem die Idee nackig ist und ohne Verzierung. Da man nicht direkt hinter dem Art Director steht und sie erklärt – was man bei Tausenden von Lesern im Übrigen auch nicht kann – ist das der spannendste Moment. »So machen wir’s!« sagt dann mein Lieblings-Art Director ...

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