3 Fragen an: Sylvain Mazas

Von Raban Ruddigkeit 03. Februar 2010 Kommentare 4

Stell dir vor, du machst dein Diplom an der Kunsthochschule Berlin Weissensee. Es ist ein sehr persönlicher, nahezu privater Comic. Ein kleiner Verlag in Stralsund veröffentlicht es und du verkaufst erstmal – 12 000 Stück! Klingt unwahrscheinlich, aber Sylvain Mazas ist genau das passiert.

Er hat sein Diplom-Buch »Dieses Buch sollte mir gestatten, den Konflikt in Nah-Ost zu lösen, mein Diplom zu kriegen und eine Frau zu finden« 2007 im Mückenschweinverlag herausgebracht. Mittlerweile liegt es sogar bei Dussmann auf den vorderen Tischen, wo ich es überhaupt erst entdeckt habe. Und obwohl es nur 5 Euro kostet, geht es um nicht weniger als die Weltrettung, die Liebe im allgemeinen und das Glück im besonderen.

Dazu gibt es Schaubilder zum ausklappen, jede Menge Theorien und die eine oder andere fast schon praktische Geschichte. Dem Franzosen ist hier ein »Kleiner Prinz« des 21. Jahrhunderts geglückt. Freistil-online hat ihn getroffen und ihm drei Fragen gestellt.

Du hast dein Buch in einem klitzekleinen, völlig unbekannten Verlag veröffentlicht. Dennoch sind allein bis heute 12 000 Exemplare verkauft. Wie erklärst du dir selbst diesen Erfolg?

Von Stralsund aus hat sich das Buch verbreitet. Durch einen Artikel in der Ostsee-Zeitung kam es zur ersten Bestellung einer Buchhandlung, ursprünglich war nur der Verkauf per Internet geplant, um den Preis von 5 Euro halten zu können.

Dann hat eine Stralsunder Buchhandlung angefangen, das Buch zu verkaufen, weil die Leute dort danach gefragt hatten. Dann wurde das Buch immer mehr in Berlin verkauft, auch, weil es eine Diplomarbeit der Kunsthochschule Weissensee war – und so ging es dann immer weiter...

Durch seinen Preis ist das Buch ein Super-Geschenk, was eigentlich so gar nicht geplant war. Viele Leute, die das Buch gemocht haben, haben es nachbestellt und weiterverschenkt, es hat sich auf diesem Weg sehr viel und weit verbreitet.

Außerdem ist das Buch im besten Verlag der Welt erschienen – mueckenschwein! Soweit ich weiss, ist es nur dort möglich, ein Buch mit so viel Liebe und dennoch zu so einem günstigen Preis herzustellen.

Alle, die beim mückenschwein Verlag arbeiten, tun das vor allem aus Begeisterung für die Sache, weniger aus Geldgründen. Mein Buch hat den Verlag zwar bekannter gemacht, ihm aber bisher keinen Gewinn gebracht. Uns ist es wichtig, dass trotzdem strenge Umweltstandards bei Papierwahl, Druck und Herstellung eingehalten werden.

Als ich das Buch geschrieben habe, hatten wir bereits gemeinsam die Entscheidungen über Papier, Format und Drucktechnik gefällt. Das ist eine weitere Besonderheit dieses Verlages, dass man alles von der Idee bis hin zum Verkauf gemeinsam macht. Wir sind Idealisten.

Das Buch ist in einer ganz besonderen Technik hergestellt. Kannst du sie kurz erläutern?

Das Buch ist mit der Risograph gedruckt. Das Druckprinzip der Riso ist das gleiche wie beim Siebdruck – es wird auf Folie ein Master gemacht, womit eine bestimmte Anzahl von Drucken gemacht werden kann.

Das Verfahren ist besonders geeignet für eine Auflage von 50 bis 500 Stück, eine Anzahl, bei der es sonst eine schwierige Entscheidung zwischen Digitaldruck und Offset ist. Kunden der Risograph sind zum Beispiel Kirchengemeinden, da sie sich mit
ihren Drucksachen oft in diesen Auflagenhöhen bewegen.

Wie beim Siebdruck kann man vollflächig und Sonderfarben drucken. Die Riso ist besonders umweltfreundlich, da sie z.B. nicht heiss werden muss wie ein Laserdrucker und besonders wenig Energie verbraucht.

Das Buch ist vor zwei Jahren erschienen. Was geschah in der Zwischenzeit und vor allem, was soll demnächst geschehen?

Ich arbeite immer noch bei dem mückenschwein Verlag sowie bei Lucasfonts als Designer für arabische Schriften. Ich war nochmal im Libanon, 2008, und habe dort mein Projekt weitergeführt. Die Planung eines Musikprojektes musste verschoben werden, da die Organisation, mit der ich beim ersten Mal zusammengearbeitet habe, nicht mehr existiert. Dennoch fahre ich dieses Jahr wieder für drei Monate dorthin.

Mein Diplom habe ich letztes Jahr endlich bekommen, und über mein Privatleben verbietet mir mein Verleger zu sprechen.

Ich spiele beim »Orchestre Miniatures in the Park« Glockenspiel und habe vor eineinhalb Jahren das Internationale Skizzenfestival in Stralsund ins Leben gerufen, das dieses Jahr zum dritten Mal stattfindet. Auch diese beiden Projekte funktionieren ähnlich wie in meinem Buch beschrieben: Viel zu bewegen mit minimalen Mitteln.

www.mueckenschwein.de
www.myspace.com/orchestreminiatureinthepark
www.skizzenfestival.de

Sylvain wir sind alle ganz

Sylvain wir sind alle ganz stolz auf dich und vermissen dich schräkelig!
Bis Bald kleiner Prinz!
Bises
die sonnenmacher

Dieses Buch...

... hat mich begeistert. Freitagabend (19.2.10) präsentierte sich der Verlag Mückenschwein im Greifswalder Koeppenhaus. Die Ausstellung stimmig, ästhetisch, originell. Eine Augenweide. Dazu eine gute Lesung mit Günter Lampe.
Meine Augen fielen auf Sylvain Mazas Buch: Ungewöhnlich-einladender Titel, ansprechender Einband. Ein kurzer Blick auf einzelne Skizzen und Aussagen sagte mir das wird sich lohnen. Ich habe es gekauft und an zwei Morgen gefrühstückt, verschlungen, genossen. Es hat sich gelohnt und inspiriert weiter. Glückwunsch! Danke! Das muss zirkulieren. Eine Annotation, Besprechung bzw. Rezension vielleicht, später, an anderer Stelle. Das vorangestellte Interview dürfte schon neugierig machen... Claude, Greifswald

Rezension.

Lieber Claude, vielleicht schreibst du selbst eine? Beste Grüße sendet Raban Ruddigkeit

Gestern bei Weiland

Gestern (1. März 2011) Pressetermin in der Weiland-Buchhandlung Rostock: Die Verlage aus MV präsentieren sich bis Ende Mai in einem gemeinsamen Regal. Dabei: Mückenschwein. Ich suche von allen Verlagen jeweils ein Buch, um die verschiedenen Profile konkret erläutern zu können. Jemand sagt: "Guckt mal hier, das Buch mit dem komischen Titel. Schon 18000 verkauft." Ich blättre und denk: "Nanu?" und als ich so "Nanu" gedacht hatte, dachte ich: "Hoppla." Und dann: "Kein Wunder bei dem Preis." Halbe Stunde später: Pressetermin vorbei, Sylvain Mazas Buch weg. Ist hübsch geworden!
Vergiss Clara.
Such Susanne.