3 Fragen an: Mario Lombardo, Art Director

Von Raban Ruddigkeit 27. November 2009 Kommentare 0

Er ist Visual Leader 2008, hat zahlreiche Awards gewonnen und Zeitschriften wie Spex und Liebling geprägt. Dabei gilt sein besonderes Interesse schon immer der Illustration. Wir fragten ihn nach dem aktuellen Stand der Dinge.

Was ist – in deinen Augen – besser oder zeitgemäßer? Fotografie oder Illustration?

Da gibt es gar kein besser oder schlechter. Es bleibt immer die Frage des Ausdrucks. Ich wäge natürlich immer ab, was für die jeweilige Aufgabe am besten passt. Beide Medien haben ihre Stärken – dass sie zu etwas Besonderem werden, ist natürlich vom Macher abhängig.

Eine Illustration kann viele Sachen, die ein Foto nicht kann. Deswegen benutze ich sie oft. Eigentlich wann immer es geht. Ich Interessiere mich gerade sehr für stilprägende Illustratoren, für Liebling haben wir beispielsweise die 80er-Jahre-Ikone Tony Viramontes wieder ausgegraben und ihm eine große Strecke gewidmet, er war ja nahezu in Vergessenheit geraten. Jetzt sehe ich seine Arbeiten wieder öfter, zuletzt sogar in der Vogue Homme.

Mittlerweile arbeitest du viel mit Fotos von illustrierten und collagierten Dingen. Bist du jetzt auch ein Illustrator?

Das habe ich schon immer gemacht, lange bevor es zur Mode wurde. Die Illustration war schon immer ein wichtiges Ausdrucksmittel für mich in meiner Arbeit, wobei ich mich selbst nie als Illustrator bezeichnen würde. Im ersten Freistil-Buch, mit der schöne Holofolie auf dem Cover, schriebst Du selbst den lustigen Satz: »Art Director und Illustrator Mario Lombardo hat dem Szene-Blatt Spex Verspieltheit und Ideenreichtum zurück gegeben.« Die Wahrheit ist, ich arbeitete bei SPEX immer unter maximalen Zeitdruck und mit einem mini Budget, das ich mir selten aufwendige und zeitaufwendige Illustrationen leisten konnte. So war ich oft gezwungen selbst zu illustrieren. Aber Du weißt ja wie das ist, wenn man gezwungen ist kreativ mit Zeit und Geld umzugehen, da entstehen zuweilen fantastische Sachen. Meine bevorzugte Lösung war jedoch das ganze Heft mit einem Illustrator gemeinsam zu machen, so hatte dieser nicht nur etwas mehr Geld - nämlich mein Bebilderungsbudget - sondern auch eine super Veröffentlichung, die ihresgleichen gesucht hat. Dazu fehlt mir momentan aber leider das Medium. Ich würde das aber jeder Zeit wieder tun.

In deiner Zeit als Art Direktor von Spex hast du sehr viele Illustratoren eingesetzt. Stars sind bei dir geboren worden. In letzter Zeit ist das weniger der Fall. Woran liegt das?

Das tue ich immer noch sehr oft. Jetzt gerade habe ich beispielsweise das Junioren-Buch des BFF gemacht. Und Du glaubst es nicht, ich habe das mit einem Illustrator gelöst. Es ist ein monothematisches Buch mit dem Schwerpunkt »Morgen«. Ich habe mich dazu entschlossen in diesem Buch verschiedene, von einander getrennte, erzählerische Linien zu verfolgen, die zueinander gewandt eine große Spannung erzeugen. Einen rückblickenden typografischen Teil, bestehend aus sehr alten, historischen Zukunfts-Zitaten, einem offenen und vergänglichen Buchobjekt, und einer autonomen Ilustrations-Linie, die sich ganz frei mit dem Thema Geburt befasst, und was mir ganz wichtig war, ethisches, religiöses und mythstisches miteinander verbindet. Zusätzlich gibt es den Fototeil, in dem sich die Junioren des BFFs mit dem Thema »Morgen« befasst haben. Das ist wirklich ein feines und schlaues Buch geworden, indem alle Bausteine im Einklang miteinander harmonieren und sich gegenseitig bereichern. Ich empfinde es als eine Wahnsinns-Bereicherung für den Bund Deutscher Fotodesigner, sich zusätzlich mit hochwertiger Illustration auszudrücken. Dieses Buch ist richtig mutig für den BFF.

Gerade habe ich Enver Hadzijaj aus Frankfurt für mich wiederentdeckt, den ich sehr fördere. Ich würde mich sehr freuen, wenn er zu einem Star werden könnte. Er hat irre Potential, ist variabel, schnell, zuverlässig, hört zu, hat ein großes Wissenspektrum und eine gute Interpretationsgabe. Mit ihm habe ich gerade nicht nur dieses BFF Buch gemacht, sondern auch das zitty Modebuch, Messeauftritte und einen Katalog fürs ZKM Karlsruhe gemacht. Du siehst, meine Medien sind zwar nicht mehr so öffentlich, aber die Lösungen sind immer noch disziplinübergreifend.

Und ich habe noch etwas, was dich hoffentlich nicht überrascht. Gerade mache ich noch mal eine »Dummy«, die am 7. Dezember rauskommt. Du wirst dich freuen, denn rate mal was ich auf das Cover setzten werde ... ?

www.mariolombardo.com

(Abbildungen: Portrait Mario Lombardo und Illustrationen BFF-Jahrbuch 2009 von Enver Hadzijaj)