3 Fragen an: Jens O. Brelle, art-lawyer.de

Von Raban Ruddigkeit 19. Januar 2010 Kommentare 0

Jens O. Brelle ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht. Auf seinem sehr gut gemachten Blog art-lawyer.de gibt er regelmäßig Einblick in aktuelle Rechtsfälle im Umfeld kreativen Arbeitens. Freistil-online sprach mit ihm über aktuelle Herausforderungen insbesondere im Copyright-Bereich.

In der Musik gilt, dass eine gewisse Anzahl von Takten kopiert werden darf, ohne dass ein Song als »geklaut« eingestuft wird. Was sind eigentlich die Grundregeln für das Urheberrecht an einem Bild, das kein Foto ist?

Sobald ein Werk geschaffen ist, unterliegt es dem urheberrechtlichen Schutz. Voraussetzung für das Urheberrecht (an einem Bild) ist, dass eine persönliche geistige Schöpfung vorliegt. Das Urheberrecht gilt bis 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers, es ist nicht übertragbar. Der Urheber selbst (oder seine Erben) können anderen jedoch Nutzungsrechte einräumen.

Wenn man die Geschichte der Illustration betrachtet, fällt einem auf, dass es das eine oder andere Ideechen schon gegeben hat, das danach in immer neuen Umsetzungen die Menschheit beglückt. Ist es leichter eine Idee zu schützen oder eine Umsetzung?

Abstrakte Ideen genießen grundsätzlich keinen urheberrechtlichen Schutz. Erst die konkrete Ausgestaltung einer Idee lässt sich schützen, dafür muss sie in einer sinnlich wahrnehmbaren Form ausgestaltet sein. Man sollte beim Umgang mit seinen Ideen stets darauf achten, wem man diese mitteilt und ob diese Person absolut vertrauenswürdig ist. Es besteht die Möglichkeit, eine Ideenschutzvereinbarung/Geheimhaltungsvereinbarung abzuschließen. Dadurch wird die Idee an sich jedoch nicht vollständig geschützt.

Ich glaube, Friedrich der Große hat mal gesagt, dass man nur Gesetze aufstellen kann für Sachen, die man auch zu kontrollieren in der Lage ist. Weshalb es wenig Sinn mache, den Leuten das Pinkeln in den Seen zu verbieten ... In einer Welt, in der Millionen Bilder und Ideen digital vorliegen und jeder auf sie zurückgreifen kann, benötigen wir da nicht ein völlig neues Urheberrecht?

Das Gesetz über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte gibt es seit 1965. Seitdem regelt es die Beziehung zwischen Schöpfern/Urhebern und Dritten. Ohne ein Urheberrechtsgesetz wäre ein fairer Austausch an wirtschaftlichen, persönlichen und ideellen Interessen beider Seiten nicht möglich.

Das Urheberrechtsgesetz unterliegt aber auch dem Wandel der Zeit. Neue Entwicklungen machen es notwendig, auch das Urheberrechtsgesetz zu aktualisieren und der heutigen Zeit anzupassen. Durch die Verabschiedung des sog. Zweiten Korbs im Jahr 2008 wurde das Urheberrecht dem digitalen Zeitalter und den neuen technischen Möglichkeiten angepasst.

Allerdings gibt es auch noch danach Grund zur Kritik an dem bestehenden Gesetz. Aber auch die zunehmende Globalisierung, gerade durch das Internet, gibt Anlass, das derzeitige Urheberrecht anzupassen.

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