3 Fragen an: Christoph Niemann, Illustrator

Von Raban Ruddigkeit 11. November 2009 Kommentare 0

Er gehört nicht nur für mich zu den Stars der Szene. Und das vor allem in Amerika, wo er sofort nach seinem Studium in Stuttgart angefangen hat. Seine Arbeiten zeichnen sich durch ein Höchstmaß an konzeptioneller Stärke aus, jede Illustration ist vor allem eine starke Idee. Vor einem guten Jahr ist er von New York nach Berlin übergesiedelt und berichtet hier über seine Erfahrungen.

Du lebst, nach 10 Jahren in New York, seit kurzem wieder in Deutschland. Genauer gesagt in Berlin. Erfüllt die Stadt deine Erwartungen?

Ich kann mich nicht erinnern, konkrete Erwartungen gehabt zu haben, aber die Entscheidung haben wir keine Sekunde bereut. Ich bin ein Stadtmensch, und diese Mischung aus Großstadt und Lebensqualität ist schon ziemlich einzigartig. Die einzige Sache, die ich manchmal vermisse, sind die Menschenmassen überall ...

Du arbeitest für Kunden in Deutschland und Amerika. Und jettest regelmäßig von Kontinent zu Kontinent. Reicht es am Ende doch nicht, nur PDFs hin- und herzuschicken?

Ob es auf Dauer möglich ist, für die Kunden in den USA relavante Arbeit zu machen, ohne vor Ort zu sein, weiss ich wahrscheinlich erst in 5 Jahren. Momentan geht das ganz gut mit den PDFs. Das Verlagswesen ist der einzige Bereich, in dem noch Wert auf gemeinsame Treffen gelegt wird. Für alle anderen Jobs sind die Deadlines einfach zu knapp als dass man sich gross zusammensetzen koennte.

Das war nicht anders als ich in New York war. Ich hatte Kunden die ich Jahre nicht gesehen hatte, obwohl mein Studio keine zwei Kilometer von den Büros der Auftraggeber entfernt war.

Der wichtigtse Grund dafür, warum ich immer noch so oft nach NY reise, ist aber eher emotional. Wir haben dort so lange gewohnt, und es gab bis heute keinen Moment in dem ich der Stadt überdrüssig geworden bin. Es ist nach wie vor ein unglaublich inspirierender Ort, und ausserdem wohnen dort viele meiner allerengsten Freunde.

Welche Kunden sind dir lieber, die deutschen oder die amerikanischen? Oder lautet die Frage eher die großen oder die kleinen?

Die Guten!!!

Aber im Ernst: Ich bin mehr oder weniger am Tag nach meinem Diplom nach New York gezogen. Meine ganze berufliche Laufbahn hat sich dort gestaltet, und daher ist mir die Arbeit mit Kunden dort viel vertrauter. Ich habe aber auch ganz tolle Kunden in Deutschland, mit denen ich seit Jahren sehr glücklich zusammen arbeite (Holger Windfuhr bei der Wirtschaftswoche und Kerstin Leesch beim Greenpeace Magazin zum Beispiel).

Das grössere Problem ist eher die Aufmerksamkeit der Leserschaft. In NY machst du eine prominente Zeichnung und jeder sieht sie und spricht Dich darauf an. Es scheint dort aus unerfindlichen Gründen eine Enthusiasmus für Illustration zu geben. Und jeder Designer der seinen Komplimenthunger verleugnet ist meiner Meinung nach ein Lügner!

www.christophniemann.com

(Abbildungen aus www.niemann.blogs.nytimes.com)